Terre Des Hommes

LogoGreenality ist sich seiner Verantwortung bewusst und unterstützt deshalb "Terre Des Hommes" bei Ihrem Einsatz gegen Kinderarbeit. Wir spenden über einen Zeitraum von 3 Jahren mehr als 30.000€ für das Hilfsprojekt Janachetana. Auch Ihr könnt das Projekt mit einer kleinen Spende untertstützen. Vielen Dank!

Projekt Janachetana: Einsatz gegen Kinderarbeit

Das Problem:
Kinderarbeit11Der Distrikt Raichur gehört zu den ärmsten Gegenden im indischen Bundesstaat Karnataka. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung in diesem Landstrich, der regelmäßig von Dürren heimgesucht wird, leben von der Landwirtschaft. Die Hälfte aller Männer und 75 Prozent der Frauen sind Analphabeten. Aufgrund der Armut ist die Landflucht charakteristisch für diese Region: Viele Dorfbewohner wandern in die Großstädte Bangalore, Sholapur oder Mumbai/Bombay ab. Auch dort werden ihre Hoffnungen auf ein besseres Leben zumeist enttäuscht; die Migrantenfamilien bevölkern die ausufernden Slums an den Rändern der Megastädte. Etwa 30 bis 40 Prozent der Familien aus den Dörfern wandern jedes Jahr in die Städte, um den Trockenperioden auf dem Land zu entkommen. Nach drei bis sechs Monaten kehren die Eltern in die Dörfer zurück; oft lassen sie die Töchter aber in der Stadt, wo sie zumeist als Hausangestellte arbeiten müssen. So führt die Landflucht auch dazu, dass viele Kinder die Schule abbrechen müssen.

Den Dorfbewohnern bringt die Landwirtschaft kein ausreichendes Einkommen zum Überleben. In der Region Raichur wird hauptsächlich Baumwolle angebaut, die den Grundbesitzern die besten Renditen verspricht. Auf den Feldern werden tausende von Kindern beschäftigt, darunter ein hoher Anteil Mädchen. Die Eltern haben meist keinerlei Arbeit, so dass das Familieneinkommen häufig allein von den Kindern erwirtschaftet werden muss. 10 bis 15 Rupien erhalten die Kinder für einen 10-Stunden-Tag; dagegen werden Frauen durchschnittlich mit 20 bis 25 Rupien bezahlt, und Männer erhalten rund 30 Rupien, was etwa 50 Cent entspricht.

Kinderarbeit3Die Kinder leiden unter den schweren Arbeitsbedingungen und sind gravierenden gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt. So gehört das Sprühen von Pestiziden ohne jeglichen Gesundheitsschutz zu ihren Aufgaben. Die Kinder, selbst nicht größer als die Baumwollpflanzen, inhalieren die Pestizide. Atemwegserkrankungen haben sich stark ausgebreitet, Bauchschmerzen, Durchfälle und Appetitlosigkeit bis hin zu schweren Hautkrankheiten gehören ebenfalls zu den häufig vorkommenden Erkrankungen bei Kindern.

Auch die Arbeit in Schuldknechtschaft gehört noch immer zum Alltag: Kinder und ganze Familien werden bei dieser Form der Sklaverei oft jahrelang zur Arbeit gezwungen, ohne je einen Lohn zu erhalten. In den letzten Jahren wird auch der Handel mit Kindern immer häufiger beobachtet: Kinder landen etwa auf den Baumwollfeldern des Nachbarstaats Andhra Pradesh, wo sie physisch ausgebeutet und nicht selten auch sexuell missbraucht werden und keine Chance haben, zu ihren Familien zurück zu kehren.



Das Projekt:
Die Organisation Janachetana wurde 1990 in Karnataka gegründet. Ziel ist es, mit einer Vielzahl von Maßnahmen dazu beizutragen, die wirtschaftliche Ausbeutung von Kindern zu überwinden. So hat die Organisation Dalits und Landlosen darin unterstützt, Landtiteln zu erhalten, sie hat Programme zur informellen Bildung, Bewässerungsprojekten gegen die Dürre und verschiedene Entwicklungsinitiativen für Frauen und Kinder initiiert und durchgeführt.

Das vorliegende Projekt zur Überwindung der Kinderarbeit hat eine Laufzeit von 2006 bis zunächst 2009 (eine Verlängerung ist geplant) und ein Finanzvolumen von insgesamt rund >65.000 Euro. Zuvor wurde bereits eine erste Projektphase von 2003 bis 2006 von terre des hommes finanziert.

Im Kampf gegen die ausbeuterische Kinderarbeit verfolgen die Projektpartner einen integrierten Ansatz, wie er von terre des hommes in der Regel favorisiert wird: Hintergrund ist die Erkenntnis, dass die Hilfe für betroffene Kinder nur nachhaltig wirksam wird, wenn die Ursachen der Kinderarbeit behoben werden. Daher geht es im hier vorgestellten Projekt einerseits um Bildungsangebote für arbeitende Kinder, um diesen die Chance auf eine bessere Zukunft zu bieten; andererseits um eine Vielzahl von Maßnahmen, die zu einem besseren Verständnis der Eltern und der allgemeinen Öffentlichkeit beitragen sollen, und nicht zuletzt um Initiativen zur Verbesserung der Einkommenssituation in den betroffenen Familien – schließlich sind zumeist Armut und Arbeitslosigkeit der Eltern ausschlaggebend dafür, dass die Kinder arbeiten müssen, statt zur Schule zu gehen.

Zu den Maßnahmen der aktuellen Projektphase gehören:
Bildung

  • die Einrichtung und der Betrieb von informellen »Brückenschulen« für Kinderarbeiter zur Vorbereitung der Rückkehr an eine staatliche Schule;
  • Information und Sensibilisierung der Landbevölkerung für die Themen Kinderarbeit, Bildung und Chancengleichheit der Geschlechter;
  • Einkommensmaßnahmen insbesondere für Mütter zur Verbesserung der sozialen Situation.



Neues aus dem Projekt Janachetana
(Karnataka/Indien)

Brückenschule:
Im vergangenen Schuljahr (bis Juni 2009) absolvierten 204 Kinder die Brückenschule (93 Jungen und 31 Mädchen). Sie alle konnten in öffentliche Schulen integriert werden. Ihre Leistungen in der Schule sind besser als die ihrer Klassenkameraden, was für die Qualität der Brückenschule spricht. Ein großer Teil der Kinder ist nach der Brückenschule in Pensionen untergebracht – die Schulen sind zu weit von ihrem Zuhause entfernt.Bildung2 Janachtana betreut die Kinder weiter.

Aufgrund der Dürre und schlechter Ernten im letzen Jahr haben einige Eltern ihre Kinder Janachetana anvertraut und sind auf der Suche nach Arbeit in Städte abgewandert. Deshalb kümmert sich Janachetana zurzeit zusätzlich um etwa 80 Kinder, die in öffentliche Schulen gehen und ebenfalls in Pensionen untergebracht sind. Erfreulich ist, dass die Organisation diese zusätzliche Aufgabe mit Hilfe von Unterstützung und Spenden aus der Bevölkerung leisten kann.



Training für Schulabgänger:
Janachetana hält jedes Jahr im Februar und März vor den Abschlussprüfungen in öffentlichen Schulen Trainingscamps ab: 178 Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen werden gezielt auf die Prüfungen vorbereitet. Hintergrund ist, dass viele Schüler aus dieser Gegend die Schule gerade eben schaffen, aber bei Prüfungen durchfallen, da die offizielle Unterrichtssprache Kannada nicht ihre Muttersprache ist (Telugu). In diesem Jahr haben von 178 Teilnehmern 155 die Prüfungen bestanden.



Gesundheitsversorgung:
Mit Hilfe von Ärzten aus den lokalen Krankenhäusern findet an jedem ersten Freitag im Monat eine Untersuchung aller Kinder in der Brückenschule statt. Janachetana berichtet, dass Hautkrankheiten und Erkrankungen der Atemwege häufig sind, sie hängen mit der Arbeit in den Baumwollfeldern zusammen. Der Gesundheitszustand der Kinder in der Brückenschule verbesserte sich zusehends mit der Dauer ihres Aufenthaltes, denn die Mädchen und Jungen sind nicht mehr in Kontakt mit Pestiziden, bekommen nahrhaftes Essen und werden medizinisch versorgt.



Berufsausbildung:
Bildung3Im vergangenen Jahr konnten 40 Jugendliche (20 Mädchen und 20 Jungen) eine Ausbildung absolvieren (Schneidern und Motormechanik). Alle Absolventen konnten ein eigenes Geschäft aufmachen, die Mädchen nähen zu Hause und verkaufen in ihren Dörfern, einige Jungen haben gemeinsam eine Schneiderei eröffnet. Die Jugendlichen konnten sich mittels Kleinkrediten Nähmaschinen kaufen, ihr Verdienst ist gut (Schneidern: 150 Rupien pro Tag; Motormechaniker 200 Rupien pro Tag. Zum Vergleich: Erwachsene Arbeiterinnen und Arbeiter bekommen pro Tag Baumwollernte 10 bis 20 Rupien).



Selbsthilfegruppen:
Inzwischen arbeiten 888 Frauen in 73 Selbsthilfegruppen mit. Die Gruppen diskutieren Themen wie Kinderarbeit, Zugang zu sauberem Wasser, Schulfragen, Anschluss an Elektrizitäts- oder Busnetze, Gewalt in der Familie, usw. Sie werden von Janachetana geschult, um ihre eigenen Anliegen in Dorfgemeinschaften und gegenüber zuständigen Behörden vorbringen zu können und um mit Hilfe von Mikrokrediten Gewerbe zu starten:
Grundlagen des Rechnens, Buchhaltung, Umgang mit Banken, Haushaltsbücher führen usw. Die meisten Selbsthilfegruppen haben bereits einen Mikrokredit erhalten und züchten Schafe, bearbeiten Gemüsegärten und verkaufen die Produkte. Die ersten Frauen haben in einer Landwirtschaftsschule Kurse im Bebauen von Land unter den regionalen Bedingungen (Trockenheit) absolviert und können ihre Erkenntnisse an die Gruppen weitergeben.



Öffentlichkeitsarbeit:
Janachetana organisiert gemeinsam mit Kindern und Eltern öffentliche Veranstaltungen. So gab es zu Beginn der Baumwollernte Demonstrationen in mehreren Orten: Mit Postern und Slogans wurden Baumwollfarmer aufgefordert, keine Kinder einzustellen. Eltern und Dorfgemeinschaften wurden aufgefordert, ihre Kinder einzuschulen.

In der Stadt Raichur trafen sich Kinder, Lehrer, Elterngruppen und Mitarbeiter von Janachetana mit Verantwortlichen aus der Abteilung für Erziehung und der öffentlichen Verwaltung und machten ihre Forderung nach besseren Bildungsangeboten, mehr und besser ausgestatteten Schulen und der Durchsetzung des Verbots von Kinderarbeit auf Baumwollfeldern geltend.

Vertreter aus allen 40 Dörfern des Projektgebietes haben sich gemeinsam gegenüber der Bezirksregierung für die Umsetzung des NREGA-Programms eingesetzt und Hilfe für die besonders von der Dürre betroffenen Dörfer gefordert. Das NREGA-Programm (National Rural Employment Guarantee Scheme, etwa: Nationales Programm zu Sicherung von Beschäftigung im Ländlichen Raum) ist ein Programm der Regierung, das der armen Landbevölkerung pro Jahr 100 Tage bezahlte Arbeit bei öffentlichen oder gemeinschaftlichen Vorhaben garantiert. In Zeiten wirtschaftlicher Krise und/oder Dürre bietet NREGA eine wichtige Überlebensmöglichkeit. Drei Dörfer erhielten daraufhin Nothilfe aus Regierungsprogrammen, sechs Dörfer konnten vom NREGA-Programm profitieren.



Das große Sportfest:
Jedes Jahr organisiert Janachetana ein großes Sportfest: Kinder aus allen Dörfern des Projektgebietes trainieren zunächst im Dorf und kommen zum großen Finale auf dem Schulhof der Brückenschule zusammen. Ziel ist es, arbeitende Kinder und Schulkinder zu einem gemeinsamen Ereignis zusammen zu bringen. In diesem Jahr nahmen 350 Kinder (Schulkinder und Kinderarbeiter) am Finale teil. Die Gewinner erhielten ansehnliche Pokale und Eltern, Dorfälteste und Lehrer feuerten die Aktiven an.